Maschen aufnehmen: Blenden, Kragen und Ränder sauber anstricken
Maschen aufnehmen: Wenn das Strickstück in eine neue Richtung wächst
Irgendwann taucht in fast jeder Anleitung dieser Satz auf: „Nimm entlang der Kante x Maschen auf.“ Gemeint ist eine der nützlichsten Techniken überhaupt, denn mit aufgenommenen Maschen strickst du Knopfblenden, Halsausschnitte, Kragen und Sockenfersen direkt ans fertige Teil, ganz ohne Annähen. Das Ergebnis sieht aus wie aus einem Guss, weil es das auch ist.
Schritt für Schritt
- Halte das Strickstück mit der rechten, also der schönen Seite zu dir. Der neue Faden kommt von hinten.
- Stich mit der Nadel von vorne nach hinten durch die Randmasche, und zwar unter beide Fadenglieder, nicht nur unter ein halbes. Das gibt eine stabilere Kante.
- Leg den neuen Faden um die Nadel und zieh ihn als Schlinge nach vorne durch. Diese Schlinge bleibt auf der Nadel, deine erste aufgenommene Masche.
- Wiederhole das entlang der Kante, bis die gewünschte Maschenzahl erreicht ist. Danach strickst du ganz normal weiter, als wäre nichts gewesen.
Genau genommen heißt die Technik übrigens „Maschen aufnehmen und stricken“, im Englischen pick up and knit: Du fischst nicht vorhandene Schlingen aus der Kante, sondern strickst mit neuem Faden neue Maschen hinein.
Mit der Häkelnadel geht es leichter
Wenn dir das Durchziehen mit der Stricknadel fummelig vorkommt: Nimm eine Häkelnadel. Durch die Randmasche stechen, Faden holen, Schlinge durchziehen und auf die Stricknadel heben. Gerade bei fest gestrickten Kanten oder dunklem Garn ist das die entspanntere Variante, und das Ergebnis ist exakt dasselbe.
Das richtige Verhältnis
An einer seitlichen Kante sind Reihen flacher als Maschen breit. Deshalb nimmst du nicht aus jeder Reihe eine Masche auf, sonst wellt sich die Blende. Als Faustregel hat sich bei glatt rechts bewährt: aus drei von vier Reihen je eine Masche aufnehmen. Bei kraus rechts reicht oft jede zweite Reihe. An Anschlag- oder Abkettkanten kannst du dagegen meist aus jeder Masche eine neue aufnehmen. Anleitungen geben die genaue Zahl in der Regel vor, die Faustregel hilft dir, das Ergebnis zu überprüfen.
Ecken und Rundungen: der Halsausschnitt
Ein Halsausschnitt kombiniert alles: gerade Kanten, Rundungen und stillgelegte Maschen. An den Rundungen stichst du eine halbe Masche innerhalb der Kante ein, damit keine Löcher entstehen, und an einer echten Ecke nimmst du eine zusätzliche Masche direkt im Eckpunkt auf. Stillgelegte Maschen strickst du einfach ab. Klingt nach viel, ist aber nur dieselbe Bewegung an unterschiedlichen Stellen, und nach dem ersten Kragen hast du es raus.
Tipps für gleichmäßige Kanten
- Teile die Kante mit Maschenmarkierern in gleich große Abschnitte und verteile die Maschen abschnittsweise. Das verhindert das klassische „vorne großzügig, hinten gequetscht“.
- Nimm die Maschen mit einer etwas dünneren Nadel auf und wechsle danach auf die eigentliche Nadelstärke, das ergibt einen festeren Übergang.
- Zähle nach jedem Abschnitt, nicht erst am Ende. Kleine Abweichungen lassen sich im nächsten Abschnitt unauffällig ausgleichen.
- Sieht die Blende wellig oder gestaucht aus? Lieber gleich noch einmal machen. Aufgenommene Maschen sind schnell wieder herausgezogen, eine fertige, schiefe Blende ärgert dich dagegen jedes Mal beim Anziehen.
Unser Wollke-Tipp
Übe das Aufnehmen an der Kante deiner Maschenprobe, bevor es an den Pullover geht. Und wenn unterwegs eine Masche verloren geht, hilft unser Beitrag über das Korrigieren von Strickfehlern. Projekte, in denen die Technik vorkommt, findest du bei unseren Anleitungen ab Schwierigkeitsgrad 2 Sterne.