Italienischer Maschenanschlag und italienisches Abketten
Italienischer Maschenanschlag: Die Kante, die aussieht wie gekauft
Manche Techniken erkennst du an fertigen Strickstücken sofort, wenn du weißt, wonach du suchst. Der italienische Maschenanschlag gehört dazu: Bündchen, die damit beginnen, haben keine sichtbare Anschlagkante, sondern laufen rund und weich um den Rand herum, als wäre das Gestrick einfach aus dem Nichts entstanden. Genau deshalb sieht man ihn so oft an hochwertiger Strickware aus dem Laden.
Was ihn besonders macht
Der italienische Anschlag ist für Bündchen im Rippenmuster gemacht, klassisch 1 rechts, 1 links im Wechsel. Die Kante ist extrem elastisch und zieht sich nach dem Dehnen zuverlässig wieder zusammen, ideal für Halsausschnitte, Ärmelbündchen, Mützenränder und Sockenschäfte. Und sie schließt optisch rund ab, ohne den kleinen Knötchenrand, den der Kreuzanschlag hinterlässt.
So funktioniert der Anschlag Schritt für Schritt
- Leg den Faden wie beim Kreuzanschlag über Daumen und Zeigefinger, mit einem Anfangsfaden von etwa dreifacher Bündchenbreite.
- Für eine rechte Masche führst du die Nadel unter dem Daumenfaden hindurch, holst den Zeigefingerfaden von oben und bringst ihn unter dem Daumenfaden zurück.
- Für eine linke Masche ist es spiegelbildlich: Die Nadel geht unter dem Zeigefingerfaden hindurch, holt den Daumenfaden von oben und kehrt zurück.
- So wechselst du ab, rechts, links, rechts, links, bis die Maschenzahl erreicht ist. Die Maschen liegen abwechselnd wie kleine Wellen auf der Nadel.
Die Bewegung wirkt anfangs ungewohnt, folgt aber einem einfachen Pendel-Rhythmus, den die Hände schnell lernen. Wichtig: Nach der letzten Masche den Faden sichern, die Kante ist bis zur ersten Reihe noch etwas flüchtig.
Die Hohlrandreihen
Nach dem Anschlag folgen meist zwei bis vier sogenannte Hohlrandreihen: Dabei strickst du jeweils die rechten Maschen und hebst die linken mit dem Faden vor der Arbeit nur ab. In der nächsten Reihe umgekehrt. Diese Reihen bilden den charakteristischen runden Hohlrand, in dessen Innerem ein kleiner Tunnel entsteht, erst danach geht es normal im Rippenmuster weiter. Lass dich nicht irritieren, dass das Gestrick in dieser Phase merkwürdig doppellagig wirkt, genau das soll es.
Die Abkürzung mit Hilfsfaden
Wer sich den zickzackförmigen Anschlag sparen möchte, nimmt die Variante mit Hilfsfaden: Du schlägst die halbe Maschenzahl mit einem glatten Kontrastgarn ganz normal an, strickst ein paar Reihen glatt rechts und beginnst dann mit dem eigentlichen Garn die Hohlrandreihen, wobei du aus dem Querfaden die fehlenden Maschen holst. Am Ende wird der Hilfsfaden einfach herausgeschnitten, und übrig bleibt dieselbe runde Kante. Beide Wege führen zum selben Ergebnis, probiere aus, welcher dir mehr liegt.
Das Gegenstück: italienisches Abketten
Was der Anschlag am Anfang kann, kann das italienische Abketten am Ende. Dabei wird die Kante nicht abgestrickt, sondern mit einer Wollnadel im Maschenstich vernäht: Der Faden folgt den rechten und linken Maschen und verbindet sie zu einer runden, sehr dehnbaren Kante, die exakt so aussieht wie der italienische Anschlag. Als Fadenlänge rechnest du etwa die dreifache Bündchenbreite. Die rechten Maschen werden dabei von vorne, die linken von hinten gefasst, immer im Wechsel, zwei Maschen fassen, eine abwerfen. Perfekt, wenn ein Projekt am Bündchen endet, etwa bei Toe-up-Socken oder Mützen von oben. Die Alternative für alle anderen Fälle zeigen wir im Beitrag über das Abketten von Maschen.
Häufige Fragen
Geht der italienische Anschlag auch in Runden? Ja. Du schlägst flach an, arbeitest die Hohlrandreihen und schließt erst danach zur Runde. Der kleine Spalt am Anfang wird beim Vernähen des Anfangsfadens unsichtbar geschlossen.
Funktioniert er auch für 2-rechts-2-links-Bündchen? Grundsätzlich ja, dafür werden nach den Hohlrandreihen Maschen paarweise umsortiert. Für den Anfang ist das klassische 1-1-Bündchen aber der entspanntere Einstieg.
Warum wirkt meine Kante schlabbrig? Meist sind die Hohlrandreihen zu locker geraten. Arbeite sie eine halbe bis ganze Nadelstärke dünner, dann wird der Rand schön definiert.
Unser Wollke-Tipp
Übe beide Techniken zuerst mit wenigen Maschen und glattem Garn, und lass dir Zeit beim Abketten mit der Wollnadel: Der Faden sollte locker geführt werden, sonst verliert die Kante ihre Dehnbarkeit. Anleitungen, in denen die Technik vorkommt, findest du bei unseren Anleitungen ab Schwierigkeitsgrad 3 Sterne.