Intarsienstricken und Farbflächen: Farben sauber wechseln
Ein Herz auf dem Pullover sieht von vorn ganz selbstverständlich aus. Auf der Rückseite beginnt dagegen schnell die kleine Logistikabteilung: drei Garnportionen, zwei Farbgrenzen und die Frage, welcher Faden jetzt unter welchen gehört. Genau dafür gibt es Intarsienstricken.
Bei dieser Technik bekommt jede zusammenhängende Farbfläche ihren eigenen Faden. So entstehen große Motive, Buchstaben und geometrische Formen, ohne dass lange Spannfäden über die gesamte Rückseite laufen. Der wichtigste Handgriff ist nicht schwer, aber entscheidend: An jeder Farbgrenze werden alter und neuer Faden einmal miteinander verschränkt. Dadurch bleiben die Flächen verbunden und zwischen ihnen entsteht kein Loch.
Intarsie oder Fair Isle?
Intarsien eignen sich für wenige, größere Farbflächen. Beim Fair-Isle-Stricken wechseln kleine Farbmuster häufig, während die gerade unbenutzte Farbe als Spannfaden auf der Rückseite mitläuft. Streifen sind noch einmal etwas anderes: Dort wechselst du die Farbe über eine ganze Reihe oder Runde.
- Intarsie: große Motive und klar abgegrenzte Farbflächen, jede Fläche mit eigener Garnportion.
- Fair Isle: kleine, wiederholte Muster mit mitgeführten Spannfäden.
- Streifen: eine Farbe pro kompletter Reihe oder Runde.
Wichtig für den Anfang: Zwei getrennte Flächen derselben Farbe brauchen trotzdem zwei Garnportionen. Strickst du zum Beispiel ein blaues Herz auf hellem Grund, benötigst du eine helle Portion links vom Herz, Blau für das Motiv und eine zweite helle Portion rechts davon. Würdest du den hellen Faden hinter dem ganzen Herz entlangziehen, wäre es keine klassische Intarsie mehr – und der Spannfaden würde das Gestrick leicht zusammenziehen.
Klassische Intarsien werden glatt rechts und flach gestrickt. Du arbeitest also Hin- und Rückreihen. Das ist kein Nachteil, sondern macht die Fäden dort verfügbar, wo du sie in der nächsten Reihe wieder brauchst.

Farbwechsel ohne Loch: Fäden richtig verschränken
Lege deine Garnportionen vor dem Start in derselben Reihenfolge vor dich, in der die Farbflächen im Motiv erscheinen. Verknote die Fäden nicht. Ein Knoten kann später drücken und ersetzt die Verbindung an der Farbgrenze nicht.
- Stricke mit der alten Farbe bis zur letzten Masche ihrer Fläche.
- Lass den alten Faden auf der Rückseite der Arbeit hängen.
- Nimm den neuen Faden unter dem alten Faden hindurch auf. Beide Fäden kreuzen sich dadurch genau einmal.
- Stricke die nächste Masche mit der neuen Farbe und arbeite in dieser Farbfläche weiter.
In der Rückreihe wiederholst du denselben Ablauf an derselben Grenze. Weil beim Linksstricken die Rückseite zu dir zeigt, siehst du die Kreuzung dort besonders gut. Entscheidend ist nicht, ob der Faden dekorativ liegt, sondern dass alter und neuer Faden einmal miteinander verbunden sind und beide anschließend zur nächsten eigenen Farbfläche laufen.
Ziehe nach dem Wechsel nicht kräftig an. Stricke erst ein oder zwei Maschen mit der neuen Farbe, lege die Farbgrenze flach und gleiche die Schlaufen vorsichtig aus. Die Maschen sollen nebeneinanderliegen, ohne Lücke – aber die Kante darf sich nicht nach innen ziehen. Eine wellige, harte Grenze ist fast immer zu fest.

Prüfe die Rückseite nach den ersten zwei oder drei Reihen. Dort sollte eine schmale, gleichmäßige Verbindungslinie entstehen. Siehst du ein Loch, hast du die Fäden an dieser Stelle nicht gekreuzt. Entsteht ein dicker Knoten, wurden sie mehrfach umeinandergewickelt. Ein einziges Verschlingen pro Farbwechsel reicht.
Kleine Knäuel, ruhige Spannung und eine gute Probe
Für kleine Farbflächen sind Garnschmetterlinge oder leichte Bobbins praktischer als ganze Knäuel. Wickele nur so viel Garn ab, wie du ungefähr benötigst, und lasse die Portionen locker unter der Arbeit hängen. Wenn sich die Fäden kreuzen, drehe lieber das Strickstück gelegentlich in die Gegenrichtung, statt jedes Knäuel einzeln durch das Gewirr zu fädeln. Das spart Zeit und ein paar unfreundliche Worte.
Eine Strickschrift zeigt das Motiv normalerweise von der Vorderseite. In Hinreihen liest du sie deshalb meist von rechts nach links, in Rückreihen von links nach rechts. Achte zusätzlich auf die Legende deiner Anleitung; dort kann eine andere Leserichtung angegeben sein. Grundlagen zu Kästchen, Reihen und Symbolen findest du unter Strickdiagramme lesen.
Übe zuerst mit einem kleinen zweifarbigen Motiv. Eine Herz- oder Rechteckprobe zeigt dir mehr als ein einfarbiges Quadrat: Du erkennst, ob der Kontrast ausreicht, ob die senkrechten Kanten schließen und ob deine Spannung in beiden Farben gleich bleibt. Wasche die Probe anschließend und lasse sie flach trocknen. Erst dann zeigt sich, ob die Farbgrenze ruhig liegt.

- Löcher an der Grenze: Beim nächsten Wechsel den neuen Faden konsequent unter dem alten aufnehmen.
- Verzogenes Motiv: Nicht an den Fäden ziehen; die letzten Maschen auf der Nadel auf normale Breite schieben.
- Verhedderte Knäuel: Kleinere Portionen verwenden und die Arbeit regelmäßig zurückdrehen.
- Unklare Form: Eine vergrößerte Strickschrift ausdrucken oder jede fertige Reihe markieren.
Intarsien in Runden sind möglich, verlangen aber zusätzliche Wendungen oder besondere Verbindungstechniken. Für dein erstes Motiv ist ein flach gestricktes Teil deutlich freundlicher. Bei einem Pullover kann das bedeuten, Vorder- und Rückenteil getrennt zu stricken und später zusammenzunähen.
Nach dem Abketten vernähst du die Enden auf der Rückseite in ihrer jeweiligen Farbe. So bleibt an der Vorderseite keine fremde Farbe sichtbar. Eine passende Methode findest du unter Fäden einweben. Beginne klein, kontrolliere die Rückseite früh und lass die Fäden locker. Nach wenigen Reihen wirkt das vermeintliche Chaos plötzlich wie ein ziemlich ordentliches System.