Von der Wolle

Aufribbeln ohne Drama. Welche Garne eine zweite Chance vertragen

In diesem Ratgeber erfährst du, welche Garne sich gut aufribbeln lassen, bei welchen Qualitäten Vorsicht gefragt ist und wie du dabei am besten vorgehst. Wir zeigen dir Schritt für Schritt, wie aus einem fertigen Strickstück wieder verwendbares Garn wird, wie du gekräuselte Fäden aufbereitest und was du tun kannst, wenn die zurückgewonnene Garnmenge für dein nächstes Projekt nicht ganz ausreicht.

Lohnt sich Aufribbeln?

Stelle dir diese drei Fragen. Sie genügen meistens für die Entscheidung.

  • Würdet ihr das Stück noch tragen?
    Wenn die ehrliche Antwort Nein lautet, ist das ein ziemlich gutes Argument fürs Ribbeln.
  • Mögt ihr das Garn noch?
    Wenn Material oder Farbe weiterhin Freude machen, lohnt sich eine zweite Runde.
  • Ist das Garn noch in gutem Zustand?
    Stark verfilzte, brüchige oder abgeriebene Stellen solltet ihr nicht mit Gewalt retten.

Kurz gesagt: Strickstück ungeliebt, Garn geliebt? Dann zurück auf Los.

Welche Garne eignen sich?

Nicht nur die Faser entscheidet. Garnkonstruktion, Flausch, Drehung, Strickdichte und Zustand des Stücks spielen ebenfalls eine Rolle.

GARNEIGNUNGDARAUF ACHTEN
Glatte Wolle / Merinomeist sehr gutVerfilzte oder stark abgeriebene Stellen aussortieren.
Baumwollemeist gutWenig Elastizität; locker gesponnene Garne können sich teilen.
Leinenmeist gutKaum elastisch; Knicke später entspannen lassen.
Cashmeremit GefühlGlatte Qualitäten sind leichter als sehr flauschige oder stark getragene.
Alpakagut bis mittelGlatte Garne sind leichter; gebürstete Varianten zuerst testen.
Bouclé / Effektgarnemit GeduldSchlaufen, Noppen oder Pailletten können hängen bleiben.
Mohair / Silk KidschwierigHärchen verhaken sich. Nicht mit Kraft arbeiten.
Verfilztes Gestrickkaum bis gar nichtSind Fasern miteinander verfilzt, lassen sich Maschen nicht mehr sauber lösen.

Kurz gesagt: Ribbelt zuerst nur 10–20 Maschen auf. Löst sich das Garn leicht, könnt ihr weitermachen. Hakt es, arbeitet langsamer. Müsst ihr ziehen oder reißen Fasern, stoppt lieber.

Noch ein Tipp: Merino plus Mohair lässt sich häufig besser gemeinsam aufribbeln und auch gemeinsam wieder aufwickeln. Beide Fäden beim Ribbeln sofort voneinander zu trennen, ist deutlich schwieriger. Bei zwei glatten Fäden klappt das Trennen oft besser. Auch hier: erst testen.

Einen fertigen Pullover richtig aufribbeln

Jetzt einfach der Reihe nach:

  1. Konstruktion ansehen
    Top-down, Bottom-up, in Runden oder in Einzelteilen? Überlegt zuerst, wie das Stück entstanden ist. Meist lässt es sich am besten vom zuletzt gestrickten Bereich aus zurückbauen.
  2. Vernähte Enden suchen
    Findet die Fäden, bevor die Schere zum Einsatz kommt. Besonders an Bündchen, Ausschnitt und Nähten genau hinsehen.
  3. Nähte vorsichtig öffnen
    Bei zusammengenähten Teilen zuerst die Nähte lösen. Nähfaden und eigentliches Strickgarn nicht verwechseln.
  4. Langsam losribbeln
    Hakt eine Stelle, lieber mit den Fingern oder einer stumpfen Nadel lösen als kräftig ziehen.
  5. Garn direkt aufnehmen
    Nicht als Wollberg sammeln. Beim Ribbeln aufwickeln; wenn das Garn anschließend entspannt werden soll, am besten zum Strang.

Das Garn wieder aufbereiten

Aufgeribbeltes Garn ist oft stark gekringelt und erinnert an Yum Yum Nudeln. Das ist normal: Der Faden erinnert sich an die Maschen.

  1. Zum Strang wickeln
    Das Garn locker zum Strang wickeln.
  2. Locker abbinden
    Den Strang an mehreren Stellen sichern, damit er sich nicht verheddert.
  3. Entspannen
    Immer die Pflegehinweise des Garns beachten. Viele Wollgarne vertragen ein vorsichtiges Bad in lauwarmem Wasser. Nicht rubbeln, wringen oder starken Temperaturwechseln aussetzen.
  4. Schonend trocknen
    Wasser vorsichtig ausdrücken beziehungsweise mit einem Handtuch aufnehmen. Ohne Gewichte und starke Spannung trocknen.
  5. Erst trocken neu wickeln
    Wenn der Strang vollständig trocken ist, kann er wieder zum Knäuel werden.
Noch zwei Dinge:

Waschen? Bei wenigen frisch geribbelten Reihen meist unnötig. Bei einem fertigen oder getragenen Stück lohnt sich das Entspannen häufig – passend zur Pflegeempfehlung des Garns.

Maschenprobe? Ja, bitte neu machen. Aufbereitetes Garn kann sich anders verhalten, und vielleicht hat sich auch eure Stricktechnik verändert.

Wenn das Garn nicht reicht

Beim Ribbeln bleibt ungefähr dieselbe Garnmenge erhalten, aber nicht zwingend jeder Meter. Vernähte Enden, Nähte oder beschädigte Partien kosten etwas. Dann darf gerne etwas Neues hinzukommen:

  • eine neue Farbe für Streifen, Colorblocking oder Kontrastbündchen
  • eine passende Ergänzung, wenn einfach ein paar Meter fehlen
  • ein Begleitfaden, wenn er zur vorhandenen Qualität und zum neuen Projekt passt

Kurz gesagt: Das zweite Leben braucht vielleicht etwas Gesellschaft. Schaut zuerst, was schon da ist. Und wenn Farbe, Menge oder Begleitgarn fehlen, findet ihr bei uns auf WOLLKE die Ergänzung für Runde zwei: 

Zurück auf Los.

Ein Strickstück aufzuribbeln heißt nicht, dass die Arbeit umsonst war. Ihr habt gestrickt, ausprobiert und etwas gelernt. Und das Garn darf noch einmal von vorn anfangen. Diesmal mit mehr Erfahrung.

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