Rechte und linke Maschen: Das kleine Einmaleins des Strickens
Zwei Maschen reichen für erstaunlich viel Strickleben. Aus rechten und linken Maschen entstehen glatte Pulloverflächen, Rippenbündchen, Perlmuster und krause Schals. Der Unterschied liegt nicht in einem geheimen Handgriff, sondern vor allem an zwei Dingen: Wo liegt der Arbeitsfaden – vor oder hinter der Arbeit – und von welcher Seite sticht die rechte Nadel in die Masche ein?
Übe beide Maschen zunächst langsam mit hellem, glattem Garn und nicht zu dünnen Nadeln. So kannst du den Fadenweg sehen. Halte die Nadeln locker, schiebe die erste Masche der linken Nadel nah an die Spitze und arbeite immer nur in diese eine Masche.
Rechte Maschen: Der Faden liegt hinter der Arbeit
Bei einer rechten Masche liegt der Arbeitsfaden hinter den Nadeln. Die erste Masche sitzt auf der linken Nadel; ihr vorderes Maschenglied zeigt zu dir. Stich mit der Spitze der rechten Nadel von links nach rechts durch dieses vordere Maschenglied. Die rechte Nadel kreuzt dabei hinter der linken Nadel.

- Halte den Arbeitsfaden hinter der Arbeit.
- Stich mit der rechten Nadel von links nach rechts in die erste Masche der linken Nadel ein.
- Lege den Arbeitsfaden um die rechte Nadelspitze.
- Ziehe den Faden als neue Schlinge durch die alte Masche nach vorn.
- Lass die alte Masche von der linken Nadel gleiten. Die neue Masche bleibt auf der rechten Nadel.

Ziehe die neue Masche nicht an der Nadelspitze fest. Schiebe sie erst auf den gleichmäßig dicken Teil der rechten Nadel und führe den Faden mit ruhiger Spannung weiter. Auf der Vorderseite erkennst du rechte Maschen später an einem kleinen V. In internationalen Anleitungen heißen sie knit, abgekürzt k. Weitere Kürzel findest du unter Strickabkürzungen.
Linke Maschen: Der Faden liegt vor der Arbeit
Für eine linke Masche holst du den Arbeitsfaden zwischen den beiden Nadeln nach vorn. Er liegt nun vor der Arbeit und bleibt dort während des Einstichs. Stich mit der rechten Nadel von rechts nach links durch das vordere Maschenglied der ersten Masche. Die Spitze der rechten Nadel liegt jetzt vor der linken Nadel und zeigt nach links.

- Lege den Arbeitsfaden vor die Arbeit.
- Stich mit der rechten Nadel von rechts nach links in die erste Masche ein.
- Führe den Arbeitsfaden um die rechte Nadelspitze.
- Ziehe die neue Schlinge durch die alte Masche nach hinten.
- Lass die alte Masche von der linken Nadel gleiten. Die neue linke Masche liegt auf der rechten Nadel.

Linke Maschen fühlen sich am Anfang oft etwas sperriger an. Achte darauf, den Faden zwischen den Nadeln nach vorn und später auch wieder nach hinten zu führen. Legst du ihn über eine Nadel, entsteht ungewollt ein Umschlag und damit in der nächsten Reihe ein Loch. Auf der Vorderseite zeigt eine linke Masche einen kleinen Querfaden, oft als „Perle“ beschrieben. International heißt sie purl, abgekürzt p.
Maschen lesen und erste Muster stricken
Eine rechte und eine linke Masche sind zwei Ansichten derselben Schlaufe: Was auf der Vorderseite wie ein V aussieht, erscheint auf der Rückseite als Querfaden. Wenn du diese beiden Formen erkennst, musst du im Muster nicht mehr ständig zählen. Du siehst, welche Masche als Nächstes kommt und bemerkst Fehler früher.
- Glatt rechts: In Hinreihen rechte, in Rückreihen linke Maschen. Die Vorderseite zeigt V-Maschen; ungesicherte Ränder rollen sich ein.
- Kraus rechts: In Hin- und Rückreihen nur rechte Maschen. Das Gestrick zeigt Querwellen und liegt meist flach.
- Rippenmuster: Rechte und linke Maschen wechseln sich ab, zum Beispiel eine rechts, eine links. In der nächsten Reihe strickst du die Maschen so, wie sie erscheinen.
- Perlmuster: Rechte und linke Maschen wechseln sich ebenfalls ab, werden in der nächsten Reihe aber versetzt.
Bei einer absichtlich verschränkten Masche stichst du in das hintere statt in das vordere Maschenglied ein. Die beiden Beine der Masche kreuzen sich und das Maschenbild wird fester. Sehen deine Maschen ohne entsprechende Anweisung ständig verdreht aus, kontrolliere, wie sie auf der Nadel liegen und in welcher Richtung du den Faden herumführst. Hilfe beim Zurückstricken und Aufnehmen verlorener Maschen findest du unter Strickfehler korrigieren.
Für eine kleine Übungsprobe schlägst du etwa 20 Maschen an – zum Beispiel mit dem Kreuzanschlag. Stricke einige Reihen kraus rechts, danach glatt rechts, ein Rippenmuster und zum Schluss Perlmuster. Lege die Probe zwischendurch flach hin. So erkennst du, wie sich Struktur, Breite und Elastizität verändern.
Ungleichmäßige Maschen sind am Anfang normal. Versuche nicht, jede einzelne Schlinge nachträglich festzuziehen. Ein ruhiger Fadenlauf und regelmäßiges Üben gleichen das Maschenbild zuverlässiger aus. Wie du deine tatsächliche Maschenzahl auf zehn Zentimetern prüfst, erklärt die Maschenprobe. Und wenn die Übung lang genug geworden ist, wartet mit dem Abketten schon der nächste Grundschritt.